In diesem letzten Teil der Reihe „Geschäftsmodelle, die für mich nicht funktionieren“ geht es ausnahmsweise nicht um Online Business oder Verkaufen im klassischen Sinn, sondern um das Thema Fotobox.

Falls du damit überhaupt nichts anfangen kannst, will ich dich kurz abholen:

Eine Fotobox oder auch Photo Booth genannt, ist ein Gerät, bestehend aus einer Kamera, einem Blitz, einem Bildschirm und einem Auslöser. Das alles ist in einem schicken Gehäuse untergebracht und kann auf Events, zum Beispiel auf Hochzeiten oder auf Betriebsfesten aufgestellt werden, um Fotos von den Gästen zu schießen. Die Gäste haben gewöhnlich auch die Möglichkeit, sich mit lustigen Kostümen zu verkleiden. Je länger eine Feier dauert, desto lustiger werden die Fotos in der Regel 😉

Ich hatte das Konzept das erste Mal auf einer Hochzeit eines Freundes entdeckt und fand es wirklich super. Da ich sehr Technik begeistert bin, interessierte mich vor allem, wie das komplette Zusammenspiel der einzelnen Komponenten funktionierte. Schnell hatte ich im Netz einige Anleitungen dazu gefunden. Die beste (zumindest zum damaligen Zeitpunkt) gibt es auf Instructables. (englisch). Dort wird als Steuerungseinheit  der Raspberry Pi genutzt. Ein Mini Rechner im Kreditkarten-Format, auf dem Linux installiert läuft. Eine digitale Spiegelreflex Kamera hatte ich noch zuhause „rumliegen“ aus meinen früheren Versuchen, ein Nebengewerbe aufzubauen. Den Umgang mit dem Raspberry und Linux kannte ich auch aus anderen Anwendungen. Beispielsweise läuft bei uns im Haus die komplette Video Mediathek über einen Raspberry Pi.

Eine eigene Fotobox

Der Entschluss, selbst eine Fotobox zu bauen, war schnell gefasst. Einen kommerziellen Hintergedanken verfolgte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Es ging mir viel mehr um die Herausforderung! Ich besorgte mir also die noch fehlen Kleinigkeiten, vor allem LED-Dioden, Leiterplatten und Taster bei reichelt.de und lötete fleißig die benötigten Schaltkreise zusammen. Der 30. Geburtstag meines Schwagers stand auch kurz bevor und bis dahin sollte alles laufen.

Leider habe ich nicht dokumentiert, wie die erste funktionierende Fotobox aussah, aber damit du einen ungefähren Eindruck erhältst, kannst du hier einen Zwischenschritt sehen:

Fotobox Prototyp
Fotobox Prototyp

Optisch noch nicht sehr ansprechend, aber die alte IKEA Kommode war sehr günstig und eigenete sich einfach super für das Projekt.

Später erhielt die Box noch die besagten Taster und LEDs verpasst.

Auf dem Geburtstag war sie auch bereits im Einsatz. Ein voller Erfolg! Am Abend wurden rund 250 Fotos erstellt. Hier ist eines davon 😉

Fotobox Bild

Etwas mehr Professionalität

Das Feedback der Geburtstagsgäste war überragend. 3-4 Gäste fragten direkt, ob sie die Fotobox auch für ihre Hochzeit in 5 Monaten mieten können. du kannst dir sicher vorstellen, dass dabei die $-Zeichen in meinen Augen blinkten und ich sofort begann, die Fotobox gedanklich weiter zu entwicklen.

In den darauf folgenden Tagen konzipierte ich also Pläne, um eine professionellere Fotobox zu bauen. Entscheidend waren dabei folgende Merkmale:

  • Robustes Gehäuse
  • Perfomante und stabile Software
  • Einfache Bedienung
  • komplette externe Stromversorgung (ohne Akkus)

Die fertige Box hatte all das! Über Wochen hinweg tüftelte ich nach Feierabend im Hobbykeller an der Entwicklung und der Fertigstellung der Fotobox.

Ich hatte es geschafft! Yeah!

Fotobox

Dokumentation der Fotobox

Es würde die Seiten hier sprengen, wenn ich alle Details zum Nachbau der Fotobox beschreibe. Ich hatte mir aber viele der Schritte, die ich brauchte um den Raspberry komplett einzurichten dokumentiert. Die kompletten Schaltkreise, die ich entworfen und gelötet habe, sind ebenfalls dokumentiert. Alle Dokumente sind in meiner Dropbox frei zugänglich und abrufbar. Solltest du also Interesse daran haben, feel free to use!

Unique Selling Point (USP)

Mir war klar, dass der Markt heiß umkämpft ist. Google einmal nach Fotobox oder Photobooth, du wirst mit Angeboten überschwämmt werden. Bei mir in der Region ist mir der Anbieter Bestmansbox besonders positiv aufgefallen.

Da ich mir diesen Preiskampf nicht wieder antun wollte, suchte ich nach einem USP. Un das war er:

Die Fotobox wird einen Münzzähler bekommen!

diese Idee finde ich nach wie vor genial! Denn damit schaffte ich mir gleich zwei Vorteile:

  1. Ich schaffte mir ein Alleinstellungsmerkmal. In meiner Recherche hatte ich nicht einen einzigen anderen Anbieter gefunden.
  2. Ich konnte die Fotobox damit fest an einem Ort aufstellen und sie würde dann für mich Geld verdienen. Ständiges Auf- und Abbauen wäre somit nicht notwendig und meine Wochenende nicht verplant.

Die Installation des Münzprüfers war allerdings alles andere als einfach. Es gibt kaum Anleitungen zu dem Münzprüfer an sich, geschweige denn für das Zusammenspiel mit dem Python-Programmcode, den ich selbst geschrieben hatte. Aber auch dieses Problem war nach weiteren langen Nächten irgendwann erfolgreich gelöst.

Vermarktung

Das Produkt kann noch so gut sein, ohne eine gute Vermarktung wird es keinen Profit bringen! Klar wusste ich das auch damals schon, aber wirklich beherzigt hatte ich es nicht. Aus folgendem Grund:

Ein alter Freund von mir eröffnete zur gleichen Zeit ein Restaurant in Schwetzingen. „Die Planke„, ein kleines aber feines Lokal in super Lage mitten in Schwetzingen. Ich half ihm die Fotos für seinen Onlineauftritt zu erstellen, im Gegensatz dazu eröffnete er mir die Möglichkeit, die Fotobox bei ihm im Restaurant aufzustellen. Somit waren für mich schon wieder gleich zwei Probleme gelöst:

  1. Ich hatte direkt einen geeigneten Ort zum Aufstellen der Fotobox gefunden
  2. Das Marketing hatte ich damit, unbeabsichtigt, ausgelagert. Denn natürlich sorgte mein Bekannter dafür, Gäste zu bekommen.

Premiere

Der Tag der Eröffnung rückte näher und ich nahm alle Feinjustierungen an der Fotobox vor. Ich testete zuhause noch einmal alle Funktionen und machte mich zwei Tage vor der großen Premiere mit samt der Fotobox auf den Weg ins Restaurant.

Was nun passierte musste wohl die Gesetzmäßigkeit sein, von der Alex Fischer in seinem Buch erzählt. Nämlich, dass eigentlich immer etwas Ungeplantes passiert, das dir die komplette Planung zerhaut. Die bescheuerte Fotobox spielte total verrückt. Alle Funktionen machten sich selbstständig. Der Drucker druckte ein Bild nach dem anderen, die Kamera löste unkontrolliert aus…. Es war eine riesen Sch…..e. Meine Vermutung, die sich später auch bestätigte, war, dass die unisolierten Kabel im Inneren der Fotobox nicht mit dem elektrischen Umfeld im Restaurant klar kamen.

für mich bedeutete dieser Vorfall erneut zwei lange Nächte, in denen ich die Kabel durch isolierte Kabel austauschte und die Stösignale auch Software seitig abfing.

Und tatsächlich, am Tag der Premiere lief alles mehr oder weniger reibuungslos. Die Gäste waren happy, mein Freund war happy und ich natürlich auch!

Das Aus für die Fotobox

Wenn du bis hierher gelsen hast, fragt du dich jetzt vielleicht, warum ich auch dieses Business wieder aufgegeben habe? Das hat mehrere Gründe:

  • Die vielen langen Nächte, die ich mit der Fertigung der Fotobox verbrachte, haben Spuren hinerlassen. Einerseits bei der Familie, die sich dabei leider sehr vernachlässigt fühlte und andererseits auch körperlich bei mir selbst. Mein Schlafdefizit in dieser Zeit war enorm hoch. So hoch, dass ich einen Autounfall hatte (zum Glück nur einen Leichten und ohne Verletzte). Dieses Ereignis gab mir wirklich zu denken!
  • Ich hatte die Befürchtung, dass noch weitere technische Rückschläge kommen könnten.
  • Ich fühlte mich im Restaurant Umfeld einfach nicht wohl.
  • Ich erfuhr gerade in dieser Zeit vom Amazon FBA Modell und wollte lieber das in Angriff nehmen

Fazit

Retrospektiv gesehen denke ich, dass das verfolgte Geschäftsmodell eine gute Zukunft gehabt hätte, wenn ich nicht schlagartig ausgestigen wäre. Ich hatte ein schon existierendes Produkt weiterentwickelt, mit einem USP versehen. Ich hätte passives Einkommen generieren können, also nicht Zeit gegen Geld getauscht.

Ich habe aber vor allem eine wichtige neue Erfahrungen gemacht:

Ich bin fähig neue Fähigkeiten in kürzester Zeit zu erlernen, wenn ich es wirklich will! Immerhin hatte ich ein komplettes Python Programm (eine Sprache von der ich vorher nie etwas gehört habe) geschrieben, Schaltkreise gelötet (Physik hatte ich nach Klasse 7 mit „ausreichend“ abgewählt) und eine stabile Holzkonstruktion gebaut.

Außerdem weiß ich jetzt auch, dass ich mich in der Welt des Online Business und der Online Vermarktung am wohlsten fühle!


Wie immer freue ich mich über zahlreiches Feedback in den Kommentaren. Seit kurzem habe ich auch eine Facebook Seite, die du natürlich gerne liken darfst!


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7 Gedanken zu „3 Geschäftsmodelle, die für mich nicht funktionieren (Teil 3) – Fotobox“
  1. Hey Daniel, coole Idee und Respekt das du das so konsequent umgesetzt hast auch wenn es am Ende nichts geworden ist.

    Für jemanden der weniger an einem online Modell interessiert ist sicherlich immer noch eine interessante Idee wenn auch vielleicht noch ausbaufähig was die Vermarktung angeht.

  2. Hallo Daniel,

    wir überlegen uns auch eine Fotobox zu bauen. Oder lieber eine Kaufen ? Die Idee mit dem Münzeinwurf habe ich auch direkt ins Auge gefasst.
    Wer ist denn der Anbieter von deinem Einstiegsbild ? Gibt es den noch? Da wir auch Hochzeitsdienstleistungen machen, wäre die Vermarktung ein Abwasch 😉

    Lg
    Ralf

    1. Hi Ralf!
      Das Einstiegsbild ist meine Photobox 😉
      Allerdings existiert davon nur noch das Gehäuse. Der Rest ist mittlerweile ausgeschlachtet worden. Die Software lief zu fehleranfällig und ich hatte nicht die Geduld und Motivation das fehlerfrei zum Laufen zu bringen.

      Beste Grüße,
      Daniel

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