3 Geschäftsmodelle, die für mich nicht funktionieren (Teil 1 – eBay Reseller)

In dieser Reihe will ich dir die Geschäftsmodelle vorstellen, die ich bereits selbst ausprobiert habe. Um es gleich von Anfang an zu sagen: Keines davon verfolge ich heute noch. Ich bin glücklicherweise aus allen Unternehmungen mit einer schwarzen Null herausgekommen, aber keine davon war so gut oder für mich passend, dass ich sie weiterführen wollte.

Insgesamt wird es drei Beiträge zu diesem Thema geben, da ich dir drei Geschäftsmodelle vorstellen will. Ich werde dabei chronologisch vorgehen und jetzt auch direkt loslegen mit Nummer eins:

Verkauf von Neuwaren auf eBay.de

Da ich selbst ein großer Sparfuchs bin, habe ich ab ca. Mitte 2014 sehr viel Zeit auf der Seite www.mydealz.de verbracht. Ich bin mir sehr sicher, dass du die Seite bereits kennst, falls nicht: Es ist eine Plattform, auf der aktuelle und zukünftige lokale und online Angebote von allen vorstellbaren Produkten und Dienstleistungen von usern gepostet werden können. Andere user können diese Posts dann lesen und die Angebote wahrnehmen. Wenn du auch ein Sparfuchs bist, lohnt sich ein Besuch. Ich dachte mir damals, dass man aus den Angeboten von Mediamarkt, Saturn, Conrad, Metro usw doch sicher auch Kapital schlagen kann. Immerhin erhielt man durch diese Angebote nicht selten beliebte Produkte für bis zu 30% günstiger als zum regulären niedrigsten Preis.

Wie bin ich vorgegangen?

Gedacht, getan, ich meldete mein Gewerbe an, wandelte meinen bestehenden privaten eBay-Account in einen gewerblichen Account um und kaufte über meine Amazon-Kreditkarte zunächst zwei Playstation 4, zwei GoPro Hero4 und fünf Canon EOS 1200D.

Anhand der Canon EOS 1200D sah meine Kalkulation folgendermaßen aus:

Kalkulation ebay

Kalkulation für eine ebay Festpreis-Angebot

An einer Kamera habe ich also zunächst rund 60 EUR verdient. Das ist immerhin eine Marge von 23% und kann sich sehen lassen.

Im kam direkt auch in den Genuss des Vorweihnachtsgeschäftes. Hier ereignete sich etwas, das ich so vorher noch nicht erlebt hatte. Zum ersten Mal habe ich die Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage live und extrem ausgeprägt miterleben, ja sogar davon profitieren können. Durch Zufall hatte ich mitbekommen, dass ein bestimmtes Produkt online total vergriffen war:

LEGO Minecraft!

Der Hersteller LEGO hatte wohl nicht mit der extremen Nachfrage gerechnet. In allen bekannten Online Shops waren alle LEGO Minecraft Sets ausverkauft. Nicht aber in lokalen Geschäften. In meiner Mittagspause und nach Feierabend habe ich die Toys’R’us und Galeria Kaufhof Filialen im Umkreis abgeklappert und so viel LEGO Minecraft gekauft, wie ich durfte. Ich musste nämlich feststellen, dass die Kassierer/innen nicht nur komisch schauten, sondern bei einer Abnahme von mehr als drei identischen Artikeln, einfach den Verkauf verweigerten. Am Ende des Tages hatte ich 32 Pakete ergattert und diese zu rund 70% über dem Normalpreis in eBay angeboten. Ich war skeptisch, aber tatsächlich gelang es mir, alle Pakete zum überhöhten Preis loszuwerden. Ich erzielte stolze 413 EUR Gewinn mit dieser Aktion.

Dieses Geschäftsmodell führte ich noch bis Mitte April 2015 weiter fort. Mein Sortiment umfasste Xbox Spiele, Rösle Grills bis hin zu DeLonghi Kaffeemaschinen. Zusammengefasst erzielte ich in fünf Monaten einen Gewinn von rund 2300 EUR.


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Warum habe ich dieses Geschäftsmodell wieder aufgegeben?

Vielleicht ist es dir beim Lesen des obigen Textes selbst aufgefallen? Das Konzept dieses Business hatte gleich mehrere Fehler und Lücken:

  • Nicht skalierbar
  • Ständiger Preiskampf
  • Hoher zeitlicher Aufwand
  • Risiko

Keine Skalierbarkeit

Heute weiß ich, dass ein Business unbedingt skalierbar sein muss. Was nützen dir die tollsten Margen, wenn du diese nur für ein oder zwei Verkäufe mit einem Umsatz von je 200 bis 500 EUR erhältst? Außer einem netten Taschengeld leider nichts…

Die Ursachen für diese fehlende Skalierbarkeit sind die folgenden:

Das ganze Geschäftsmodell basiert auf der Verfügbarkeit von kurzfristigen Angeboten bei anderen Einzelhändlern. Skurrilerweise sind diese anderen Einzelhändler auch noch deine eigene Konkurrenz. Konkret bedeutet das, das dein Business nur laufen kann, wenn deine Konkurrenz mitspielt. Man muss nicht viel weiter denken, um zu erkennen, dass eine finanzielle Unabhängigkeit mit diesem Modell nicht erreicht werden kann.

Ständiger Preiskampf

Ein weiteres Problem ist der ständige Preiskampf, dem du als Verkäufer von Markenwaren ausgesetzt bist. Dein Produkt ist identisch mit dem von unzähligen anderen Verkäufern. Das einzige Merkmal, mit dem du dein Produkt bewerben kannst, ist also ein niedriger Preis. Für mich bedeutete das, dass ich täglich meine Preise anpassen musste, um vorne mit dabei zu bleiben. Dies ist bestimmt ein überwindbares Problem, jedoch habe ich gemerkt, dass dies nicht das ist, was ich zukünftig machen möchte.

Hoher zeitlicher Aufwand

In all meinen Kalkulationen habe ich streng genommen Fehler gemacht, da ich meine Arbeitszeit nicht mit einberechnet habe. Zeit benötigte ich für die Suche nach Angeboten, das Einkaufen in lokalen Geschäften, die Angebotserstellung inklusive Produktfotos, die Logistik und die Rechnungserstellung. Da ich von jedem Produkt nur maximal 3-4 Exemplare im Angebot hatte, musste ich die oben genannten Aufgaben sehr oft durchführen und konnte nur wenig automatisieren. Evtl habt ihr bereits selbst Produkte verkauft und könnt nachvollziehen, wie lange die Erstellung einer guten Angebotsbeschreibung dauert? Rechnet einfach mal mit 2 Stunden dafür, plus 2 Stunden für das Sourcing, plus 15 min pro Versendung für Logistik und Buchhaltung. Bei vier Canon EOS 1200D kommen also noch 1,25 Stunden Arbeit hinzu. Ich berechne meinen Stundenlohn derzeit mit 45 EUR. D.h. meine erzielte Marge von 60 EUR wäre so gut wie aufgebraucht.

Risiko

Zuletzt gibt es noch den Risikofaktor Gewährleistung, der immer dann eine Rolle spielt, wenn du elektronische Geräte verkaufst. Als Händler von Neuware bist du gesetzlich dazu verpflichtet 2 Jahre Gewährleistung zu bieten. Ich hatte das Glück, das bisher keine Reklamationen diesbezüglich bei mir eingetroffen sind, aber dieses Thema ist nicht zu unterschätzen.

Fazit:

Das Hineinschnuppern in die Welt der eBay-Verkäufer war sehr interessant und lehrreich für mich. Wer das Ziel hat, ein stabiles passives Einkommen zu schaffen, ist mit diesem Geschäftsmodell aber nicht gut beraten. Es ist zu störungsanfällig und in der von mir betriebenen Form deutlich zu zeitaufwändig.

Ich würde mich freuen, wenn du einige Erfahrungen von mir für dich anwenden kannst. Hinterlasse doch einen Kommentar, wenn du bereits ähnliche Erfahrungen gemacht hast oder noch weitere Fragen an mich hast. Danke!


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5 Gedanken zu „3 Geschäftsmodelle, die für mich nicht funktionieren (Teil 1 – eBay Reseller)“

  1. Interessant und gut zu lesen. Ich glaube allerdings, das in Deiner Kalkulation zur Canon ein Fehler ist: 6% Ebay Gebühren sind nicht 9€ sondern 19,74€, wodurch sich natürlich auch das Ergebnis entsprechend ändert.
    Dieses Modell würde wahrscheinlich etwas besser laufen, wenn man den Einkauf online erledigt, d.h. stets Angebote bei Shops im Internet wahrnimmt und jeweils soviel bestellt, das der Versand kostenfrei ist. Auf diese Art kommt die Ware zu Dir ohne relativ grossen Aufwand.
    In Amerika gibt es sogar viele Händler, die Sonderangebote bei Amazon kaufen, sich versandkostenfrei zusenden lassen und im gleichen Karton nach dem anbringen der eigenen Aufkleber wieder an Amazon zurücksenden, um sie für einen höheren Preis zu verkaufen.
    Auch gibt es Tools, die automatisch die Konkurrenz beobachten und die Preise automatisch senken oder erhöhen, so das man am Preiskampf auch ohne grossen Aufwand teilnehmen kann. Wobei ich nicht weiss, ob es sowas für Ebay in D auch schon gibt.
    Das grösste Problem sehe ich auch in der Gewährleistung. Hier 2 Jahre zu hoffen und zu bangen, das kein Kunde etwas reklamiert und zurückschickt, nervt und kann im Fall eines Falles die gesamte Kalkulation über den Haufen werfen.

    1. Hallo Detlef,
      Danke für Deinen Kommentar!
      Es freut mich auch, dass Du die Kalkulation tatsächlich nachgerechnet hast! Natürlich hast Du Recht, 6% von 329€ sind nicht 9€. Ich hatte nicht erwähnt, das eBay bei gewerblichen Verkäufern in der Kategorie Foto maximal 9€ an Gebühren verlangt.
      Das Problem beim Online Einkauf ist hier, dass Du nur eine sehr begrenzte Menge an Sonderangeboten bestellen darfst. Die Händler sehen es nicht gerne und kontrollieren sogar die Bestellgewohnheiten daruaf hin, ob hinter dem Besteller evtl ein gewerblicher Kunde steckt.
      Mediamarkt hat mir beispielsweise nach der zweiten Bestellung von je 2 Kaffeemaschinen den Account gelöscht.
      Auch hatte ich immer das komishe Gefühl, etwas Verbotenes zu tun. Selbst als ich in der Metro 5 Stück B&O Bluetooth Lautsprecher gekauft habe, wurde ich ungläubig an der Kasse angeschaut…

      Grüße,
      Daniel

  2. Hallo Daniel,
    danke für den Artikel und das Teilen deiner Erfahrung.
    Welche Bezeichnung deines Gewerbes hast du denn beim Gewerbeamt angegeben?
    VG, Markus

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