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Second Supplier – Verlasse Dich nicht nur auf einen Lieferanten

Jun 27, 2017
second supplier
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Die Second Supplier Strategie

Derzeit bin auf der Suche nach einem zweiten Lieferanten für mein erstes Produkt. In diesem Post erkläre ich Dir, warum Du unbedingt auch darüber nachdenken solltest und wie es mir bisher auf der Suche nach dem Second Supplier ergangen ist. Natürlich erkläre ich Dir auch, warum ich überhaupt dazu gekommen bin, einen weiteren Lieferanten zu erwägen.

Mit dem Warum will ich dann direkt auch mal beginnen:

Der Auslöser

In den letzten Beiträgen über mein FBA Business habe ich immer mal wieder erwähnt, dass ich bald das nächste Produkt in mein Sortiment aufnehmen werde. Das Ganze hat sich nun leider sehr viel länger gezogen, als ich dachte. Doch jetzt endlich ist es soweit. Vor gut zwei Wochen sind die neuen Produkte (2 Stück) bei mir zuhause angekommen. Seit wenigen Tagen sind sie auf Amazon verfügbar.

Eines der beiden Produkte hat sich leider direkt als ein Sorgenkind herausgestellt. Das andere läuft bisher sehr gut an. Konzentrieren wir uns aber auf das Sorgenkind:

Das Sorgenkind

Als ich mich vor vielen Wochen für dieses Produkt entschieden habe, hatte ich lange Diskussionen mit meinem Lieferanten, um ihm zu erklären, dass unbedingt ein wichtiges Merkmal geändert werden muss. Ohne diese Änderung fürchtete ich nämlich, dass es zu Fehlfunktionen kommen könnte, die wiederum zu Retouren führen würden. Alles klar! Mein Lieferant hat das Problem verstanden und Muster angefertigt, die exakt so waren, wie ich es mir vorgestellt habe.

Vermutlich ahnst Du nun schon, was passiert ist?

Richtig! Die Lieferung (500 Stück) kam bei mir zuhause an und natürlich wurde die Anpassung vergessen… So ein Sch…ß dachte ich nur.

Naja, ich bin zum Glück eher gelassen in solchen Momenten, da ich sowieso immer mit unvorhergesehenen Ereignissen rechne!

Die Konsequenz

Wie gesagt, ich bin eher ruhig, Im Sinne von „ich rege mich auf“. Trotzdem versuche ich in solchen Situationen so schnell wie möglich zu handeln, um erstens das Problem in den Griff zu bekommen und zweitens vorzubauen, um gleiche Probleme in Zukunft zu vermeiden.

Beschwerde beim Produzenten

Mit einer langen E-Mail nahm ich Kontakt zu meinem Lieferanten auf. Ich erklärte alles und legte anhand von Bildern und Schriftverkehr dar, dass es sich um einen Fehler handelt, den er zu verantworten hat. Dabei ging ich übrigens extrem taktvoll vor und habe nie das Wort „Schuld“ genutzt. Irgendwo hatte ich nämlich gelesen, dass Chinesen mit Schuldzuweisungen nicht sehr gut umgehen können?!

Ich erklärte ganz offen das Problem, dass ich die Waren so zwar anbieten kann (die Qualität und Verarbeitung sind wirklich super!), aber das Risiko eines Imageschadens und von einer hohen Retourenquote besteht. Und dass das nicht so wäre, wenn die besprochene Anpassung umgesetzt worden wäre.

Die Antwort erhielt ich auch sehr zügig am folgenden Tag:

Die Produkte sind gut, so wie sie sind. Die Qualität sei sehr gut und andere Abnehmer haben noch nie über hohe Rücklaufquoten geklagt!

Soviel aber vorweg: das war noch nicht das letzte Wort!

Plan B

Parallel zu meinen Verhandlungen mit meinem Produzenten ging mir nun der Gedanke durch den Kopf:

„Was mache ich, wenn ich mir durch die Beschwerde das gute Verhältnis zerstöre?“

Außerdem dachte ich mir auch, dass ich nicht bereit wäre, weiter Geschäfte mit jemanden zu machen, der nicht für seinen offensichtlichen Fehler einsteht.

Und das der Zeitpunkt, an dem ich entschied einen Second Supplier zu suchen!

Warum ein Second Supplier wichtig ist

Die folgenden Vorteile verspreche ich mir durch die Qualifikation eines Second Supplier:

  1. Keine Abhängigkeit von nur einem Lieferanten
  2. Bessere Verhandlungsposition durch Kenntnis anderer Marktpreise
  3. Versorgung auch bei Lieferengpässen des einen Lieferanten
  4. Schneller Übergang zum Second Supplier im Fall einer Lieferunfähigkeit des ersten Produzenten

Aber auch Nachteile könnte ich mir vorstellen:

  1. Schlechtere Staffelpreise durch Verteilen der Bestellmenge auf zwei Lieferanten
  2. Mehr Kontaktpflege notwendig
  3. Qualitätsprobleme im Nachhinein schwieriger zuordenbar

Wenn Du Generelles zu verschiedenen Beschaffungsstrategien lesen willst, kann ich Dir den Wikipedia-Artikel dazu empfehlen.

Aufpassen bei Preisanfragen

Ich habe in diesem Zug ca. 5 andere Produzenten angefragt, ob sie mein Produkt ebenfalls herstellen können. Eine Orientierungshilfe zur Auswahl von Lieferanten hat auch Gleb von FBA Business Builder mal geschrieben. Auch Gil von PrivateLabelJourney hat zum Thema Lieferantenbewertung mal eine kleine Videoreihe gedreht. Diese findest Du mit Klick auf diesen Link.

Für die Anfrage habe ich ihnen mein Anliegen ausführlich in einer E-Mail erklärt. Ich habe Bilder meines Produktes und genaue Maße und Eigenschaften offen gelegt. Außerdem habe ich auch ganz ehrlich erklärt, dass ich mich auf der Suche nach einem „Second Supplier“ bin, mit Aussicht auf einen festen Anteil meines Jahresbedarfs.

Dabei habe ich darauf geachtet, dass ich nicht versehentlich meinen bisherigen Produzenten anschreibe 😉

Au weia!

Und trotzdem bin ich voll ins Fettnäppchen getreten. Von einem Lieferaten erhielt ich folgende Antwort:

„Hi, Daniel

Thanks for your inquiry. Just let you know [name of company] is the same company with us.

Amy will contact you soon.“

Erwischt! Und damit war mir auch klar, dass mein erster Lieferant nun von meiner Suche nach einem zweiten Lieferanten weiß.

Damit habe ich nicht gerechnet

Was aber als nächstes passiert ist, konnte ich kaum glauben. Mein „First Supplier“ schrieb mich an und schlug mir zwei Möglichkeiten vor, die Falschlieferung zu kompensieren:

  1. Ich erhalte einen Rabatt von 50% des Wertes der Falschlieferung auf meine nächste Bestellung meines ersten Produktes.
  2. Ich bekomme die 500 Stück, die falsch geliefert wurden kostenlos ersetzt, wenn ich wieder mein erstes Produkt bei Ihnen nachbestelle.

Heftig, oder?

Ich weiß nicht, ob das genauso ausgegangen wäre, wenn ich nicht versehentlich eine Gruppenfirma meines Lieferanten angeschrieben hätte.

Im Übrigen habe ich meiner Ansprechpartnerin des ersten Lieferanten umgehend erklärt, warum ich einen weiteren Lieferanten suche und bestätigt, dass ich auch weiterhin bei Ihnen bestellen will. Ich denke die Sache ist nun geklärt und für beide Seiten ok. die Zukunft wird zeigen, ob ich mich da irre oder nicht.

Wie geht es weiter

Soweit der aktuelle Stand. Meine Nachbestellung bereite ich gerade vor. Ich habe mich für die 2. Variante entschieden und nehme eine komplette kostenfreie Lieferung statt des Bar-Rabattes.

Von den bereits gelieferten Produkten habe ich probeweise ein paar ans Amazon Lager gesendet und beobachte nun genau, wie die Kundenmeinungen sind. Das macht mir noch etwas Bauchweh. Aber vielleicht hatten die Chinesischen Produzenten ja doch Recht, und es kommt nicht zu Reklamationen…

Was den Second Supplier angeht, werde ich mich nun von mindestens zwei Herstellern bemustern lassen. Preislich liegen diese übrigens beide über meinem aktuellen Preis des ersten Lieferanten. Je nachdem wie die Qualität ist, kann ich dann weiter planen. Was ich aber sicher jetzt schon weiß ist, dass ich mit meinem ersten Produzenten wirklich gut bedient bin (auch wenn es manchmal zu Missverständnissen kommt) Ich freue mich ihn hoffentlich bald mal besuchen zu können.

Fazit

„Erwarte das Unerwartete“

Diesen Spruch habe ich mittlerweile verinnerlicht und wurde auch noch nicht enttäuscht. Ich denke, die innere Einstellung hilft Dir hier wirklich sehr, Deine Nerven zu bewahren, wenn etwas schief geht.

Meine Empfehlung an Dich ist es nun: Suche Dir einen zweiten Lieferanten, BEVOR etwas passiert. Im Zweifel ist es wichtig, schnell reagieren zu können, falls Das Lieferverhältnis zu Deinem Hauptlieferanten gestört oder beendet wird.

Und außerdem: Versuche stets ein gutes verhältnis zu Deinem Lieferanten zu haben. Ich denke, dass je persönlicher der Umgangston ist, desto eher hält eine Geschäftsbeziehung auch in schwierigen Situation stand.


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4 Comments

  • Reply Philip 27. Juni 2017 at 20:41

    Hi Daniel,

    ich finde es sehr sinnvoll einen zweiten Lieferanten an der Hand zu haben. Dennoch glaube ich das ein Problem wie dieses mit einer Qualitätskontrolle in China durch Asia Inspection oder eine andere Firma vermieden worden wäre.

    Durch die Kontrolle kannst du solche Fehler direkt beheben lassen.

    Es ist wichtig sich weiter zu entwickeln und in diesem Fall wirst du den gleichen Fehler sicher nicht zweimal machen

    Freut mich aber das für dich alles nochmal für ausgegangen ist!

    Gruß

    Philip

    • Reply Daniel Wiegand 27. Juni 2017 at 20:48

      Hey Philip!
      Schön von Dir zu lesen!
      Da hast Du vollkommen Recht, mit einer Inspektion wäre das gewiss nicht passiert.
      Da die Kommunikation im Vorfeld aber wirklich astrein war, hätte ich meine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass alles läuft wie geplant…
      Aber so ist das mit den Fehlern 😉

      Beste Grüße,
      Daniel

  • Reply Martin 28. Juni 2017 at 10:13

    Sehr interessant, hatte einen ähnlichen Fall bei einem Bekannten. Der Hersteller selber verkauft in der Kategorie auf Amazon selber und ist dort Bestseller. Mein Kollege verkaufte zunächst hauptsächlich über seinen Webshop und erzielt dort sehr interessante Umsätze – sein Lieferant ist der Amazon Bestseller. Nachdem ich ihn darauf angesprochen habe, hat er vor ein paar Monaten auch mit dem Verkauf auf Amazon gestartet und liegt jetzt mit seinem Produkt direkt hinter dem Hersteller (der sein Lieferant ist). Die Logos sind zwar komplett unterschiedlich, auch die Marke & Co. – aber eben nicht der Inhalt.
    Die Folge: Die vormals gute Geschäftsbeziehung ist vorbei und er ist mittlerweile schon auf der Suche nach einem anderen Lieferanten wo er übrigens auch bessere Konditionen erhält. Macht also alleine auch aus der Sicht immer Sinn, nach noch besseren Lieferanten zu suchen um bessere Konditionen zu erhalten.

    • Reply Daniel Wiegand 28. Juni 2017 at 10:27

      Hi Martin!
      Danke für Deinen Kommentar!
      Ja, das ist ein weiterer guter Punkt. Was, wenn Dein Hersteller zum Mitbewerber wird? Auch dann, sollte man einen Plan B haben. Und auch idealerweise vorher prüfen, ob der Lieferant denn auch selbst an Endkunden verkauft und welche Kanäle er dafür nutzt.
      So oder so, alles spricht für eine Risikostreuung.
      Beste Grüße,
      Daniel

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