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1 Jahr Amazon FBA: Wrap Up!

Jul 5, 2017
1 Jahr Amazon FBA
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Wie Du in 12 Monaten mit Amazon FBA zum Millionär wirst, kannst Du hier nicht nachlesen!

Dafür siehst Du einen realistischen Geschäftsverlauf für ein „Afterwork“ Amazon FBA Business. Wenn Du ganz frisch auf diesen Blog gekommen bist, dann starte besser hier mit dem Lesen und arbeite Dich durch die einzelnen Monatsberichte durch.

In den letzten Monaten gab es wenig Neues in meinem FBA Business. Es war eher Business as usual. Trotzdem gab es das Ein oder Andere, das ich Dir nicht vorenthalten will:

  1. Der Preis für höheren Absatz
  2. Plötzlich Umsatzsteuerpflichtig
  3. Fazit: Das ist Amazon FBA wirklich

Absatz und Umsatz

Hurra, ich wachse!

In den vergangenen Monaten ist alles größer geworden. Im Vergleich 2. HJ 2016 vs. 1.HJ 2017 ist der Absatz Umsatz um über 40% gestiegen. Der Umsatz ebenso. Aber das hatte seinen Preis! Mein Werbebudget ist explodiert und ich muss das schnell wieder in den Griff bekommen.

Zuvor aber nochmal zurück zum Absatz

Im Schnitt verkaufte ich 54 Einheiten pro Woche, gerechnet seit Januar 2017. Zum Vergleich: 2016 waren es im Schnitt 40 Einheiten.

Dies hat einen großen Vorteil, was die Nachbestellungen angeht. Diese sind dadurch wirklich sehr einfach zu planen. Wie Du in der Grafik sehen kannst, hatte ich seit Oktober 2016 keine Probleme mit leeren Lagern mehr.

Absatz vs. Werbekosten

Die folgende Grafik zeigt die indexierten Verkäufe (blaue Linie) und das indexierte Werbebudget für PPC-Kampagnen.

Verkäufe vs PPC-Budget

Ausgehend vom September, der mein erster „Launch-freier“ Monat war, haben sich die Verkäufe um Faktor 1,5 erhöht. Im Gegenzug dazu sind aber auch die Werbekosten gestiegen, nämlich um Faktor 2,5.

Puh! Das finde ich schon heftig! Die Gründe sind recht schnell erklärt: Ich habe sehr viel experimentiert. Es ist sehr verführerisch, mehr Budget für Werbekampagne zu investieren, wenn die täglichen Sales dadurch höher werden. Entscheidend ist hier aber doch, was unterm Strich herauskommt.

Die Schwierigkeit dabei ist die Folgende: Werbefinanzierte Sales erhöhen das Ranking. Ein höheres Ranking erhöht die organischen Sales. Eine Aufwärtsschleife also! Allerdings funktioniert das auch umgekehrt. Entsprechend wäre es falsch, nur die ACOS in die Analysen einzubeziehen. Vielmehr solltest Du das Ganzheitlich betrachten. Mögliche Kennzahlen wären:

  1. Werbekosten / Verkaufter Einheit
  2. Werbekosten / Umgesetzten Euro

Solltest Du Produkte mit unterschiedlichen Preisen anbieten, dann nutze besser die 2. Variante. Bei mir spielt das derzeit keine Rolle, darum rechne ich mit Variante 1. Über die Monate ergibt sich dadurch folgende Entwicklung:

Derzeit zahle ich also 1,50 Euro Werbung, um im Schnitt eine Einheit zu verkaufen. Das ist deutlich zu viel.

Mein Ziel ist es nun, ohne Mengenverluste wieder auf einen Wert von maximal 1,00 Euro zu kommen. We will see!

Marge

Auch meine Produktmarge ging leider zurück, wenn ich das 1.Quartl 2017 mit dem 2. Quartal 2017 vergleiche. Die Ursache sind steigende Gebühren seitens Amazon!

Zwar ist es mir gelungen durch größere Bestellungen in den Genuss von geringeren Stückkosten und geringeren Frachtkosten zu kommen. Trotzdem konnte ich dadurch nicht die neuen Gebühren und die 25 Cent mehr Gebühren auszugleichen, die Amazon für die Lagerung in Deutschland veranschlagt.

Positiv wirkte sich außerdem meine Erstattungsrate auf die Marge aus. Diese ging leicht zurück!

Umsatzsteuer

Seit 2017 bin ich umsatzsteuerpflichtig!

Nach wie vor kämpfe ich mich ohne Steuerberater durch den Steuerdschungel. Ich wollte eigentlich einen Steuerberater mit ins Boot holen, doch habe ich mich dazu entschieden, mir das Wissen selbst anzueignen. An dieser Stelle will ich unbedingt Thomas Matisheck empfehlen, der mir schon so oft bei Fragen helfen konnte! Danke!

Aus meiner gesammelten Erfahrung will ich Dir einen Tipp geben:

  1. Mache es nicht selbst 😉 Vor allem der Übergang vom Kleinunternehmer zur Regelbesteuerung hat mich schon einiges an Nerven gekostet!
  2. Lege Dir die Umsatzsteuer zur Seite! Grob sind das eben 19% Deiner Umsätze (!), die das Finanzamt pünktlich haben möchte.
  3. Beginne am besten direkt mit der Regelbesteuerung. Die Grenze zu überschreiten ist wirklich nicht schwer. Den Hickhack mit der Umstellung kannst Du Dir dadurch ersparen.
  4. Wenn Du die Buchhaltung – entgegen meines ersten Tipps – alleine machen willst, hole Dir eine gute Steuer- bzw. Buchhaltungssoftware. Ich nutze hierzu übrigens WISO EÜR & Kasse und bin damit sehr zufrieden.

Fixkosten

Es liegt ja in der Natur der Sache: Die Fixkosten sind konstant. Soweit die Theorie. Bei mir ist das so: Ich habe eine Art Grundrauschen. Das sind Zahlungen für die 39 Euro Verkäufergebühr, Versicherungen, Softwarelizenzen, Zins & Tilgung usw. Das alles kommt monatlich und bleibt tatsächlich konstant.

Es gibt aber auch Fixkosten, die eben nicht monatlich kommen. Meist sind das höhere Beträge und es ist besser, sie auf dem Radar zu haben. Beispielsweise die GS1-Gebühr von 150 Euro oder Kosten für den Produktfotografen usw.

Glücklicherweise hatte ich davon im letzten halben Jahr nur wenige Situationen. Der Verlauf der Fixkosten war deshalb eher unspektakulär.

Abgesehen von den oben dargelegten Werbekosten habe ich etwa 1 Euro Fixkosten pro verkauftem Produkt. Mit dem Launch meiner neuen Produkte wird sich dieser Betrag natürlich deutlich reduzieren.

Die Zahlen im Blick haben

Hast Du aufmerksam gelesen?

In meinem Business gibt es im Moment ein paar Stellschrauben, die feinjustiert werden sollten. Vor allem die Werbekosten brauchen eine Überarbeitung.

Leider ist das alles so irre komplex, dass selbst ich als zahlenliebender Controller, manchmal nicht sofort durchblicke. Von daher mein Tipp: Finde ein System, mit dem Du die wichtigsten Kennzahlen im Blick hast, um rechtzeitig einzugreifen.

Es gibt kaum etwas Ärgerlicheres, als nach Monaten festzustellen, dass ein Produkt gar nicht profitabel ist, obwohl es 10 Mal am Tag verkauft wird.

Mein Fazit zu 12 Monaten Amazon FBA

Amazon FBA ist nichts, um schnelles Geld zu machen! Es gibt Ausnahmen: Hattest Du rechtzeitig Fidget Spinner im Sortiment, konntest Du sicher schnell Geld verdienen.

Importierst Du aber gute Produkte nach dem bewährten Rezept: Schwachstellen beseitigen, Marke aufbauen, Listing optimieren, Werbekampagnen aufsetzen usw., dann wird das nix mit schnellem Geld!

Amazon FBA ist nichts, um passiv Einnahmen zu generieren! No Way, ich kann mir nicht vorstellen, wie Du ohne Zeit zu investieren, langfristig als Verkäufer profitabel existieren kannst.  Unzählige Stunden hab‘ ich bereits in meine Produkte gesteckt. Und trotzdem brauchen sie immer mal wieder etwas Betreuung.

ABER

Amazon FBA ist eine super Chance! Wenn Du vorhast, etwas Längerfristiges für Dich aufzubauen, wenn Du bereit bist, Zeit dafür zu investieren, dann ist dieses Modell einfach genial.

Mit relativ wenig Startkapital kannst Du direkt bei den Großen mitspielen. Du musst nicht abends im Keller Pakete packen um online physische Produkte zu verkaufen, sondern kannst professionelle Logistikdienstleister für Dich nutzen.

Gehe es clever an und baue von Anfang an eine Marke auf. Damit meine ich nicht, ein zweitklassiges Logo auf ein x-beliebiges Produkt zu kleben!

Wachse! Ich habe mir ein Jahr Zeit gegeben, um den Prozess kennenzulernen. Ich behaupte, dass ich diesen jetzt sehr gut kenne und auch andere Produkte erfolgreich anbieten kann. Vielleicht bist Du der nächste, dem ich bei seinem Start in ein funktionierendes Online Business unter die Arme greife?

 


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13 Comments

  • Reply Matthias 5. Juli 2017 at 18:29

    Hi Daniel,

    einmal wieder vielen Dank für deinen genialen Blog, welchen ich schon von Anfang an verfolge und man spührt einfach, dass du ein Controller bist, wenn man selbst in einem Konzern arbeitet 🙂

    Ich kenne das mit den Zahlen all zu gut, auch wenn ich nicht im Controlling bin, aber täglich mit BI Data Software arbeite um ein Bild aus sämtlichen SAP Daten über das Große Ganze zu haben.

    Leider habe ich es noch nicht geschafft, mal den Anfangen zu wagen, da noch ein paar Steuererklärungen offen sind und vorher möchte ich kein Gewerbe anmelden. Dabei verfolge ich Amazon FBA schon seit April 2016.

    Du empfiehlst in deinem jetzigen Blog gleich ohne Kleinunternehmerregelung zu starten. War die Umstellung so umständlich und aufwendig?

    Mich verwirrt immer noch das Thema Umsatzsteuer ID und Reverse Verfahren. Hast du da einen Blogbeitrag? Ich kann mich gerade nicht mehr daran erinnern.

    Viele Grüße
    Matthias

    • Reply Daniel Wiegand 5. Juli 2017 at 21:35

      Hallo Matthias,
      Danke für Deinen Kommentar!
      Ja, ich denke auch, dass man das merkt 😉 Spurlos gehen die Controller-Jahre eben nicht an einem vorbei…

      Wegen der Umsatzsteuer: Einen guten Blog zum Reverse-Charge Verfahren gibt es von Taxdoo. Der hat mir sehr beim Verstehen geholfen.
      Ich habe gemerkt, dass die Grenze von 17,5 TEUR wirklich sehr schnell überschritten ist. Von daher ist es einfach unnötig als KU anzufangen. Ich weiß, es wirkt abschreckend, eine Umsatzsteuervoranmeldung abzugeben. Aber Buchführung machst Du ja dann sowieso. Und daraus lässt sich it geeigneter Software im Handumdrehen die Voranmeldung ausfüllen.

      Beste Grüße,
      Daniel

  • Reply marco 5. Juli 2017 at 19:42

    true =), weiter so. Danke für den Inhalt….

  • Reply Bastian 5. Juli 2017 at 21:46

    Hey Daniel,

    super Artikel.

    Mich interessiert wieviel dein Fremdkapitalanteil zum Gesamtkapital ist.

    Beste Grüße
    Bastian

    • Reply Daniel Wiegand 6. Juli 2017 at 16:08

      Hi Bastian,

      meine Fremkapitalquote ist relativ hoch, da ich bei meiner letzten Bestellung meinen Kreditrahmen ausgenutzt hab 😉
      Grob liegt sie bei 80%.
      Ist nicht so berauschend, wird sich aber nach Gewinnrealisierung meiner Bestände wieder erholen.

      Beste Grüße,
      Daniel
      PS: Geniale Frage!

      • Reply Bastian 7. Juli 2017 at 19:54

        Hey Daniel,

        vielen Dank für deine Offenheit.

        Klar, 80% sind relativ hoch, aber dafür sorgt es für einen ordentliche Hebelung des EKs.

        Verstehe ich das richtig, du hast eine so hohe Kontokorrentlinie? Oder meinst du mit Kreditlinie einen kurz- bis mittelfristigen Kredit?

        Hast du über die FK-Aufnahme bereits einen Artikel verfasst? Ich bin nun nämlich in dem Stadium angelangt, wo es mit meinem EK nur noch schleppend voranläuft. Für höhere Produktmengen und Erweiterungen würde ich gerne FK aufnehmen.

        Besten Dank vorab.

        Viele Grüße,
        Bastian

  • Reply Iraklis 5. Juli 2017 at 23:02

    Hi Daniel,

    vielen Dank für deine Offenheit. Es ist sehr interessant zu sehen, was sich in einem Jahr alles verändert, wie man wächst, worauf man achten muss, etc.

    Drück dir weiterhin die Daumen!

    Grüße
    Iraklis

    • Reply Daniel Wiegand 6. Juli 2017 at 16:09

      Dank Iraklis.
      Ich freue mich immer wieder von Dir zu lesen.
      Ich wünsche Dir auch weiterhin viel Erfolg!

      Beste Grüße,
      Daniel

  • Reply Martin 6. Juli 2017 at 9:36

    Sehr cool, dass Du deine Reise so offen dokumentierst und somit vielen anderen Händlern hilfst, die heute an der Stelle stehen, wo Du vor ein paar Monaten standest.

    Was waren bisher deine größten Learnings in dieser Zeit?
    Deine besten / schlechtesten Entscheidungen?

    • Reply Daniel Wiegand 6. Juli 2017 at 16:12

      Hi Martin!
      Im Labern war ich noch nie gut. Von daher ist Offenheit für mich der beste Weg 😉
      Ich müsste mir wirklich mal hinsetzen und mir die Punkte rausschreiben.
      Was mir sofort einfällt:
      Die beste Entscheidung war es, von Anfang an eine Marke aufzubauen.
      Die Schlechteste war es, mich nicht von Anfang an in das Umsatzsteuerthema einzuarbeiten. Das hat mich viel Nerven gekostet.

      Beste Grüße,
      Daniel

  • Reply Peter Fritz 7. Juli 2017 at 18:28

    Hi Daniel,
    Hast Du schonmal überlegt, das Ganze als Dienstleistung für bestehende Amazonhändler anzubieten? Wir sind seit 2012 auf Amazon, handeln bisher aber nur Markenprodukte. Das liegt u.a. daran, dass wir aus dem klassischen Einzelhandel kommen und zudem mehrheitlich im Alter Deiner Eltern. Mit der Enführung einer eigenen Marke auf Amazon haben wir uns bisher schwer getan. Alles in allem könnten wir Deine Kreativität auf Zeit gut gebrauchen. Wie schaut es aus?

    • Reply Daniel Wiegand 10. Juli 2017 at 11:12

      Hi Peter!
      Danke für Deinen Kommentar!
      Das klingt auf jeden Fall sehr interessant.
      Am Besten schreibe ich Dich hierzu aber mal per Mail an.

      Beste Grüße,
      Daniel

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